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Vor 30 Jahren: Fotoreportage Cuba

Viernes, el 03. de Junio. 
Abschied von Kuba und Erinnerungen.

Mein Reisegepäck liegt bereits vorbereitet in meinem Apartment. Ich mache meinen letzten Rundgang im Haus, und verabschiede mich von meinen Nachbarn. Madelaine, eine Nichte meiner ältesten Nachbarin, hat zur Erinnerung eine Holzfigur für mich gebastelt. Ich lernte sie etwas kennen während der vielen Wartezeiten und Telefonate von ihrer Wohnung aus, als mein telefono anfangs nicht funktionieren wollte. 

Zusammen mit Anita und Felix von der UPEC stießen wir mit dem Havana-Club Rum „siete años“ anläßlich seines vierundfünfzigsten Geburtstages an. Sandra und ihre Mutter Amarylis holetn mich anschließend mit dem roten Schiguli ab. Der Abschied am Flughafen José Marti erfolgte dann zu meiner Überraschung kurz und schmerzlos. Gerne hätte ich diese Zeit ein wenig angehalten. Um so schneller funktioniert die Abfertigung am Iberia-Schalter. 

Mit dem Geschmack des letzten Mojitos besteige ich den Bauch der spanischen DC-10 und nehme Platz am Fenster ein.
Pünktlich erhebt sie sich in den wolkenreichen Abendhimmel, und die Insel verschwindet unter uns aus der Sicht. 

Jueves, el 02. de Junio. 
La Metropolitana. Granma Lieferung.

Am letzten Tag meiner Reportagereise beschloß ich noch einmal durch meine vertraute Nachbarschaft zu laufen. Mittlerweile wirkt alles so vertraut. Die Strassen, die Menschen, die Häuser. Auch die leeren Bar und luftigen Cafeterias lassen mich nicht mehr erstaunen. Mein neugieriger und suchender Blick darauf wurde allmählich Tag für Tag zum gewohnten Lebensumfeld und gelebter Normalität.

Vor einer geschlossenen Tür stand eine lange Schlange. „Hace cola“. Plötzlich streckte ein Arm einen Bündel der Granma-Zeitung aus. Ein Mann lief mit einer Kassendose herum, und sammelte im Voraus Pesos dafür ein. Einige waren über meine Präsenz recht erbost oder schimpften lautstark, ich solle es unterlassen zu fotografieren. Andere Umstehende wiederum schmunzelten oder tippten mir verständnisvoll auf die Schulter. In wenigen Minuten ist der Vorrat an verfügbaren Zeitungen ausgegangen, und die spontane Versammlung löste sich genauso schnell wieder auf, wie sie zusammen gekommen ist. No hay Granma! 

Die Menschen hatte viel über den périodista extranjero zu diskutieren. Rasch ist der Vorrat der Zeitungslieferung ausgegangen, und die spontane Versammlung lösten sich genauso schnell wieder auf, wie sie zusammen gekommen ist. No hay Granma! 

Miércoles, el 01. de Junio.
Meine „erste Geburt“ in der Frauenklinik von Arroyo Naranjo.

Mit einem gemieteten Wagen vom C.P.l. bin ich erneut unterwegs in den Außenbezirk Arroyo Naranjo. Während meines ersten Besuches dort lernte ich bereits den Funktionär George vom örtlichen P.C.C. kennen, der in diesem Municipio die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit dieses Vorzeigestadtteils betreut. Er ist überhaupt der Herzlichste von allen Begleitern, und versteht es gut parallel ergänzend mitzudenken und zu organisieren. 

Meine erste Geburt: Mit starken Wehen wird die Frau von der vorgeburtlichen Station in den Kreissaal gebracht. Ich bekomme eine Kopfbedeckung und einen grünen Kittel verpaßt, und bin von den anderen im OP nur noch durch meine Kamera und meine neugierigen und unerfahrenen Augen zu unterscheiden.

Der Gesichtsausdruck der leitenden Schwester wird ernster, als sich Schwierigkeiten anbahnen. Auf einem Hocker über der Gebärenden stehend, preßt sie mit dem Unterarm auf den gewölbten Bauch und schaut entsetzt, da diese Maßnahme nicht zu helfen scheint. Ich zucke etwas zusammen, als die Hebamme eine Zange einsetzte, und die liegende Frau vor Schmerz die Zähne zusammenbeißt und schluchzt. Es wird langsam etwas unruhig im Raum. Eine der Schwester geht aus dem Kreissaal hinaus, um Unterstützung zu holen. 

Ich wurde angewiesen, von diesem Moment an nicht mehr zu fotografieren. Steigende Nervosität machte sich breit. Hin und wieder fiel ein Auge auch auf mich, ob ich mich an die Anweisung halte. Etliche Geburtshilfegeräte wurden ausprobiert und nebenan eine Apparatur vorbereitet. Ich stand aufgeregt wie festgeklebt an meinem Platz und observierte regungslos des Geschehen.
Der Chefarzt wurde herbeigeholt. Es wurde erneut hektisch. Ich blickte immer hin und wieder zur leitenden Schwester um festzustellen, was vor sich ging. Auf einmal blickte sie mich an und gestattete mir weiterzuarbeiten. Das Kind kam auf einmal rasend schnell heraus, so daß ich kaum eine Chance hatte, mich von der Stelle zu bewegen, um einen anderen Ausschnitt zu wählen. Die Mutter war ganz erschöpft und blickte erlöst zur Seite. Der Junge wurde eingewickelt und sofort zum Beatmungskasten und danach zum Brutkasten gebracht. 

Ich erinnere mich genau, er wog drei-fünfzehn, seine Haut war völlig blaß mit kleinen roten Streifen. Ich schaute zu dem Baby rüber und dachte wie schnell es dann doch plötzlich gehen kann. Ich fühlte mich sehr ergriffen und konnte es immer noch kaum fassen.
Das hektische Treiben und die damit verbundene Hektik klang ab, und dachte noch viel an diesen bewegten Vormittag zurück.

Martes, el 31. de Mayo. 
Pradopromenade. Besuch des Fotografen Roberto Salas.

Nachmittags besuche ich den bekannten Fotografen Roberto Salas.
In New York geboren, entschied sein Vater mit Familie in den Fünfziger Jahren nach Kuba zurückzukehren, damit seine Kinder keine Wurzeln in den anfangenden Romanzen in der für ihn “befremdlichen Stadt” schlagen.  Im blühenden Jugendalter erlebte Roberto den Verlauf der Revolution und zählt zu der Generation, zu deren Lebensinhalt der Umbau der kubanischen Gesellschaft geworden ist. Im sentimentalen Sturm und der Wiedererkennung der kubanischen Kultur fanden die Menschen ihr neues Lebenselexir und die Kraft, ihren eigenen Weg einzuschlagen.


Den jungen kubanischen Fotografen fehle in seiner Sicht der Blick fürs Wesentliche. Er vermisse auch ein Thema in ihrer Arbeit, die sie trotz Materialknappheit verfolgen könnten. Stattdessen konfrontierten sie den Betrachter mit lauter schönen und netten Arbeiten. Die Zeit und ihre Geschichtsträchtigkeit sei heute eine Andere, und es fehle an Begeisterung für eine Identifizierung und tiefere Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben in Kuba. 

Lunes, el 30. de Mayo.
Nachrichtenkontrolle, Lebensbedingungen und die momentane Situation.

Etliche propagierten Qualitäten des kubanischen socialismo existieren im Alltag der Menschen einfach nicht.  Nur in den Nachrichten des staatlichen Rundfunks und der Tagsezeitung granma herrscht Dauer-Optimismus. 

All die noticias darüber, daß die Fabriken bestens über den Jahresplan hinaus produzieren, Brigadegruppen ihre Freizeit für den Aufbau investieren, verdiente Arbeiter mit Metallabzeichen ausgezeichnet werden, und daß feindliche Gruppierungen versuchen die Errungenschaften zu sabotieren, sind aus meiner Beobachtung heraus inszenierte „Vernebelungen“, die dem Erhalt der sozialistischen Idee dienen, angereichert durch die allgegenwärtigen Kampfparolen.

Da es kaum Zugriff auf internationale Nachrichten gibt, erfahren die Kubaner eine ideologisch präparierte Selektion von Nachrichten, und einen heroisch eingefärbten Blick auf die nationalen Belange. 

Domingo. el 29. de Mayo
Helado a Coppelia. Basketball-Spiel der Capitalinos.

Ganz in der Nähe meiner Wohnung befindet sich an der 23ten der bekannte Coppelia Eis-Pavillon.Es gibt dort herrlich erfrischendeEissorten. An zwei Kugeln heladeo fresas-y-chocolat in Waffel kam ich als Liebhaber von Süßspeisen am Nachmittag nicht vorbei.

Für abends nahe ich eine Einladung für das Basketballspiel der Capitalinos gegen Oriente erhalten. 

Sabado, el 28. de Mayo. 
Universitad de La Habana. Orchesterprobe + Ballettaufführung
.

In der Aula der Universität probten gerade einige junge Musiker. In einem Autobus vor dem Eingang probte ein Geiger. Ich folgte ihm in den großen Saal, üppig dekoriert mit großformatiger Wandbildern. Die gesamte Orchestertruppe bereitete ich hier auf ein Konzert vor. 

Auf einer Treppe stand ein Trompeterund blies seiner Freundin den Brustkorb voll mit Tönen. Ihre Augen waren freudestrahlend und ganz aufgerissen. Sie genoß anscheinend die vibrierenden Schallwellen augenscheinlich sehr, und errötete, als sie sich plötzlich beobachtet fühlte. Die Schwingung muß eine gute Frequenz gehabt haben. 

Auf dem Balkon strecken sich junge Ballettmädchen ganz in rosa gekleidet und machen sich warm. Sie wirken sehr zart im Gegensatz zur der Gewichtigkeit der Innenausstattung der Aula. Für die Aufführung trugen sie feierlich und anmutig die kubanische Nationalfahne auf vorgestreckten Armen zum Podium. 

Viernes, el 27. de Mayo.
Mazorra – Psychiatrische Klinik. 

In der Nähe des internationalen Flughafens José Marti liegt vor den Toren La Habanas die psychiatrische Klinik Mazorra.
Sehr viel sei einem Freund von Fidel Castro zu verdanken, der sich nach der Machtübernahme durch die Revolutionstruppen der Klinikleitung annahm, und diese bis in den heutigen Tag immer noch seiner Betreuung und Kontrolle unterliegt.

Die Patienten werden in verschiedenen Therapiegruppen betreut. Entweder pflanzen sie Gemüse an, betreuen die klinik-eigene Tierzucht, kümmern sich um die Renovierung der Gebäude, basteln in einer Art Manufaktur einfache nützliche Dinge des Alltags oder betätigen sich künstlerisch in ihren kreativen Neigungen. Zum Abschluß wurde uns eine Kostprobe von einem Konzert vorgeführt. 

Alle Räume und Gänge, die man mir vorführte waren blitzeblank herausgeputzt. Die Eins stehe für die wirklich schlimmen Falle, und die Sechs für solche, die nur noch zeitweise überwacht werden oder gar freien Ausgang haben. Entweder pflanzen sie Gemüse an, betreuen die klinikeigene Tierzucht, kümmern sich um die Renovierung der Gebäude, basteln in einer Art Manufaktur einfache nützliche Dinge des Alltags oder betätigen sich künstlerisch in ihren Neigungen. Zum Abschluss wurde uns eine Kostprobe von einem Konzert vorgeführt. Es fiel mir vor allem die Ruhe auf, die hier herrschte.  

Jueves, el 26. Mayo.
Schwimmunterricht und Kampfringen im Estado Deportes José Marti. Konferenz zur Granma International.

Die Mitarbeiterin der Stadion-Direktorin lächelt fröhlich, als sie mich während der Anmeldung wiedererkannte. Während dessen hörte ich bereits, daß draußen Schülergruppen am Schwimmbecken sein müssten. Sofort fiel mir die Strenge auf, mit der die Lehrer ihren Unterricht durchsetzten. Zur Belohnung der bestandenen Schwimmübungen durften die Kinder anschließend eine Zeitlang plantschen und spielen.

Die  Originalausgabe der kubanischen Tageszeitung Granma ist mittlerweile auf vier Seiten geschrumpft.  Umso umfangreicher erscheint trotz Papiermangel ihre internationalen Fassung. Sehr überrascht war ich vor allem durch die publizierte Propaganda und Werbung staatlicher und internationaler Konsumgüterfirmen, die für ihre Produkte und Dienstleistungen werben. 

Dies verdeutlicht und bestärkt anschaulich die offizielle Position des existierenden Sozialismus nach Innen, und die harte und direkte Marktwirtschaft nach Außen. Ganz offen bekennen sich einige Ausführungen und Berichte zu der Finanzierung des kubanischen Sozialstaats durch die Tourismusindustrie, deren Aufbau und Absatz als Devisenquelle schlechthin unterstützt und vorangetrieben wird. Das Zusammenprallen der Zweiklassengesellschaft wird mir nur allzu gegenwärtig vorgeführt. 

Miércoles, el 25. de Mayo.
Marrodes Telefonsystems. 

Mittlerweile erlebe ich es täglich und es wird mir ganz klar, mit welchen Schwierigkeiten dieses Land zu kämpfen hat. In der Vorbereitung eines Besuches in einer Mutterschaftsklinik wurde mir ganz klar vorgeführt, an welchen Problemen die Bewältigung des Alltags an seine Grenzen stößt.

So z. B. funktionieren alle Telefonnummern, die in La Habana mit einer vier anfangen selten. Da die größte Klinik, die das C.P.I. für meinen Besuch ausgewählt hat in diesem Vorwahlnummernbereich liegt, gar es angeblich tagelang nicht möglich eine Terminabsprache via Telefon zu treffen. 

Martes, el 24. de Mayo.
Verschlafenes Training im Estado Deportes José Marti.

Kaum ein Geräusch durchdrang die feucht-schwüle Luft. Im Stadion herrschte eine unheimliche Stille. Nur wenigen Sportler bewegten die Trainigsgeräte in der dunklen Halle unterhalb der Zuschauertribüne.

Lunes, el 23. de Mayo.
Ein weitere Tag am Malecón.

Den Tag verbrachte ich an der kilometerlangen Uferpromenade Malecón. Das Meer war aufgewühlt, und allerlei Unrat aus dem Meer wurde auf den breiten Gehsteig und die Fahrbahn hinauf gespült.

Abends  beleuchteten die wenigen noch funktionierenden Straßenlaternen diese Abendszenerie und verwandelten die Promenade inmitten der hereinbrechenden Dunkelheit in eine orangene Lichthöhle. 

Domingo, el 22. de Mayo.
La Habana Vieja.

!Vamos a divertirse! Überall wird fröhliche Lebensfreude signalisiert. Über vielen Plaza, den Klubs der sozialistischen Jugendorganisation, der Strandpromenade und aus den Bars tönt westliche Popmusik aus den mächtigen Lautsprechern. 

Sabado, el 21. de Mayo. 
Besuch bei Alberto Korda, dem Che-Fotografen.

Nachmittags besuchte ich Alberto Korda, weltberühmt durch sein Che Guevara Porträtfoto. Er wohnt in einer großzügig geschnittene Wohnung mit Ausblick auf den westlichen Abschnitt des Malécon. An den Wänden hängt eine Vielzahl von Bildern und Fotos befreundeter Kollegen. Nach Schilderung meiner bisherigen Erfahrungen zeigte er sich sehr verständnisvoll, und bestätigte mir die als quadratisch geltenden offiziellen kubanischen Mentalität. 

Zur Überraschung meiner Begleiterin Anita von der UPEC , führte er mich dann in seinen Arbeits- und Studiobereich, und zeigte mir einige seiner jüngsten Fotoarbeiten. Stolz erzählte er, Nikita Krustschow habe ihm in Russland Skilanglauf beigebracht. Als Beweis reichte er mir sogleich ein Erinnerungsfoto rüber.

Viernes, el 20. de Mayo.
Plaza de la Revolución.

Auf dem Weg zum Redaktionsgebäude der Tageszeitung Granma bekam ich es unerwartet mit der Schutzgarde zu tun. Eigentlich ganz harmlos ging ich auf einen der Beobachtungsposten rund um die Regierungsgebäude auf der Plaza de la Revolución zu, um bloß eine Frage zu stellen. Die Ordnungskräfte in blauen Uniformen kamen jedoch ganz außer sich, als ich kaum noch fünf Meter weit entfernt war und ihnen fragend zu nahe gekommen bin.
Ihre Hand rutschte schon zum Gürtel zur Pistole hinunter und mit ihrer Geste signalisierten sie sehr deutlich : Stop!!!

Schon ein seltsames Gefühl, wie simpel ich mein Leben unbewusst aufs Spiel gesetzt habe.

Jueves, el 19. de Mayo. 
Fototermin in einer Fahrradfabrik. 

Ich konzentrierte mich auf die Radmontage. Eine Arbeiterin gab praktische Einweisung an zwei señorinas, und grinste, als ich sie in den Vordergrund meiner Aufnahmen positionierte. Die gesamte Fabrikhalle war sehr dunkel, die spärlichen Leuchten und Dachluken durchbrachdie Finsternis. Leider mußte ich sehr mehr viel zusätzlich blitzen und mit sehr langen Belichtungszeiten aus der Hand arbeiten.

Die Lackiererei machte einen imposanten Eindruck auf mich. An einem langen Band hingen die Radteile. Sie wurden anschließend in einer Kabine gegen eine mit Wasser umspülte Wand grün grundlackiert. 

Miércoles, el 18. de Mayo.
Unterrichtsanfang. Sportstadion José Marti.

Bereits in der Frühe hatte ich einen Fototermin in einer weitere Schule. Ich durfte Erstklässlern über die Schulter schauen. 

Danach erfreute ich mich an der beeindruckenden Architektur des mittlerweile etwas verwahrlosten Sportstadions José Marti, nahe der Avenida de los Presidentes und Malecón. Rund um die nur halbvoll mit Wasser gefüllten Schwimmbecken fand der Schulsport statt.

Martes, el 17. de Mayo.
Besuch eines Tabakbauernhofs. Reise ins „vergangene Jahrhundert“.

Die siebenundneunzigjährige Dame im blauen Kleid betrachtet mich prüfend von ihrem Schaukelstuhl aus. Ihre Urenkelin gesellt sich neugierig dazu. Kleine und röchelnde Ferkel und Hühner laufen durch das Haus. Ungeschickt stolperten die kleinen Säue über ihre Freßschalen, oder rutschten auf dem frisch für unseren Besuch gewischten Betonfußboden mit ihren Pfoten umher. Beim Anfassen ließen sie durchdringende und quietschende Laute von sich.

Lunes, el 16. de Mayo.
Reise nach Pinar del Rio und Viñales.

Im Morgengrauen trat ich gemeinsam mit Feliberto eine weitere Reise für meine Fotoreportage an.
Die Autopista in Richtung Pinar del Rio war völlig frei und nur von wenigen Lastwagen befahren. 

Viñales liegt sehr malerisch in einenm weiten flachen Tal. Das Städtchen wird überragt von steilen Felsen, die markant in die Höhe ragen. Ihre Gipfel sind trotz ihrer recht niedrigen Höhe von im Schnitt fünfhundert Metern von einem Nebelring umgeben.

Domingo, el 15. de Mayo.
Kinderfest im Centro Habana.

„Vivan los niños del mundo“ . . . Lang leben die Kinder der Welt . . .  steht in improvisierten Lettern aus dünner Alufolie an der Wand oberhalb des Podestes in dem Hinterhof der Wohnsiedlung. Es war die Geburtstagsfeier eines Mädchen mit dem Namen Zunlayda, die mir auf meinem Spaziergang zufällig begegnet ist. Zunlayda, was für ein zauberhaft-schöner Name für die „Dancing Queen“.

Sábado, el 14. de Mayo.
Ausstellung in der UNEAC. Alberto Korda und Roberto Salas.


Als ein Beitrag zur fünften Biennale in La Habana lud die UNEAC, Vereinigung kubanischer Künstler und Publizisten, zusammen mit der spanischen Botschaft eine Ausstellung des bekannten spanischen Fotografen Javier Bauliz mit dem Titel „Sombras en combate“ ein.

Bei dieser Zusammenkunft traf einige bereits bekannte Gesichter und durfte weitere Persönlichkeiten der kubanischen Kultur neu kennenlernen. Am meisten freute ich mich über eine Einladung von Alberto Korda in seine Wohnung nach Miramar im Westen von Havanna.

Weltbekannt wurde Alberto (Foto) durch das Porträt des jungen Revolutionärs Che Guevara. Sein Gesicht schmückt weltweit und millionenfach T-Shirts und Poster. Stolz zeigte mir Alberto ein Foto, das er stets mitführte, wo er zusammen mit dem bekannten Fotografen René Burri an einem Tisch sitzt.
Ein weiterer bekannter Fotograf, Roberto Salas lud mich ebenso zu einem Besuch bei sich ein.

Viernes, el 13. de Mayo
Tour zum Hafen und in die Vororte Casablanca und Regla
.

Gemeinsam mit meiner Kollegin Anita, die ich von der UPEC kenne, war ich in den östlichen Vororten der Hauptstadt zu Fuß unterwegs. Wir setzten mit der kleinen Fähre in den Stadtteil Casablanca über dei Bahia de la Habana, und erkundeten die Gegend. Eine Hafenübersicht durfte ich nicht fotografieren, da ein zufällig anwesender und wachsamer Zivilpolizist lautstark intervenierte: mein Standpunkt ermögliche eine Einsicht in einen militärischen Sperrbereich.
(UPEC = Unión de Periodistas de Cuba)

Jueves, el 12. de Mayo 1994
Reisevorbereitung für Santiago de Cuba. Halbzeit.

Die von mir geplante Reise in den Orient des Landes nach Santiago de Cuba und Guantanamo scheint nach den heutigen Verhandlungen in weite Ferne zu rücken. Obwohl mir nun die beantragte Bestätigung der Genehmigung durch den General der kubanischen Streitkräfte zum Betreten des Grenzbereich offiziell vorläge, tauchten plötzlich neue und unerwartete Probleme bei der Reiseorganisation und Transportlogistik auf. Vielleicht stecken aber auch andere Gründe dahinter, um meine Reise in diese sensible Zone des Landes zu unterbinden.
Weiter geht’s … que pena, voy a hacer otra cosa …

Hintergrund: Wie in einem Pachtvertrag von 1903 und 1934 zwischen Kuba und USA vereinbart, unterhalten die Amerikaner eine Militärbasis auf kubanischen Territorium nahe der Stadt Guantanamo.

Miércoles, el 11. de Mayo 1994
Stromausfall. Kunstbiennale in La Habana. Biotechnologische Forschung.

Der Strom in meiner Wohnung in Vedado muß tagsüber in meiner Abwesenheit für mehrere Stunden ausgefallen sein. Dies führte zum das Abtauen des Kühlschranks. Die Gemüsefächer, in denen ich meine Filme aufbewahre sind mit Wasser voll gelaufen. Einige meiner Filmpatronen gehen so baden. Zu meinem Glück stelle ich fest, dass diese zum größten Teil noch unbelichtet gewesen sind. Ich mag es mir nicht ausmalen, wenn dieser Schatz in Schwarzweiss auf diese verhängnisvolle und profane Weise einfach verloren gegangen wäre

Bereits zum fünften Male findet die Kunstbiennale in Havanna statt. Es gibt einige Ausstellungen und Performances in der Stadt. Zur Eröffnung sollen auch das Kunstmezänenpaar Ludwig aus Köln angereist sein.

Das kubanische Center for Genetic Engeneering and Biotechnology hat Pressevertreter zum Besuch in ihrer zentralen Forschungsstätte im Südwesten von La Habana eingeladen. Drei kubanische Fotografen, ein Kameramann und ich wurden von einer mehr als doppelt so großen Anzahl von Funktionären durch das Institut begleitet. Der voll-klimatisierte Gebäudekomplex ausgerüstet mit modernster Technologie erstreckt sich über mehrere Hallen.

Martes, el 10. dem Mayo 1994
Schulbesuche im Stadtteil Arroyo Naranjo in La Habana.

Umrundet von Schulkindern, erlebte ich eine inszenierte Grundschulpause im Municipio Arroy Naranjo im Süden von La Habana. Bordeauxrotfarbene Hosen oder Röcke, leuchtend weiße Hemden und darauf blaue Halstücher. In ihren Uniformen sehen die Erst-und Zweitklässler wirklich süß aus. 

Wie so oft, drängte der Zeitplan der Pressetour, und wir mussten weiter zu einer „Escuela Preuniversitaria“ fahren. Die Schule besteht aus einem ausgedehner Gebäudekomplex. Sie wird von mehr als dreitausend Schülern besucht, und von rund achthundert Lehrkräften und Angestellten versorgt. 

Sie fungiert gleichzeitig auch als Internat, und wurde feierlich von Fidel Castro und Leonid Breschnew höchstpersönlich eingeweiht. Stolz wurde sie nach dem großen russischen Revolutionärs Wladimir Iljitsch Lenin benannt.

Lunes, el 09. de Mayo 1994
Guagua und die Transportprobleme.

Der Treibstoff auf der Insel ist bedingt durch das harte Handelsembargo und Devisenknappheit knapp. An den Haltestellen der Busse, liebevoll „guagua“ genannt, bilden sich lange Menschenschlangen: Oft hört man dann: „hace cola“. Viele der Busverbindungen fallen jedoch aus, oder sind total überfüllt.

Meine Planungen im Vorfeld öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, haben sich komplett zerschlagen. Ich spüre am eigenem Leib, unter welchen Bedingungen die Kubaner ihren Alltag meistern müssen.

Domingo, el 08. de Mayo
Un dia en la Playa del Este und Malecón.

Sonntagsruhe in der Stadt. Das Wetter ist traumhaft.

Sabado, el 07.de Mayo 1994
Besuch des populären Schauspielers Manuel Porto. Hausbau.

Am Vormittag besuchen wir einen der berühmtesten Fernsehschauspieler Kubas, Manuel Porto in seinem Haus. Wie ich von Felliberto erfuhr, zog ihn die Liebe in dieses kleine Nest am Rande des Naturparks Guamá. Schwärme von stechenden Moskitos ließen uns kaum einen Satz zu Ende aussprechen. Pieks ! Klatsch! 

Ich habe schnell gelernt, dass es hier als eine freundschaftliche Geste gilt, einen gerade zustechenden Moskito auf der Haut eines Anderen in dem Moment zu erschlagen, bevor dieser zusticht. Porto schlug jedenfalls einige Male auch auf mich, auf meine Knie und meinen Unterschenkel, um mich vor dieser Plage zu bewahren. Dabei lachte er jedesmal breit und grinsend.

Viernes, el 06. de Mayo 1994
Besuch von Bauernfamilien in der Ebene von Zapata, Playa Giron und Guamá.

Jueves, el 05. de Mayo.
Tropisches Unwetter. 

Da das Unwetter trotz kurzer nächtlichen Beruhigung morgens wieder angefangen hat kräftig zu toben, sind die ansonsten um diese Tageszeit bereits belebten Strassen und Plätze wie leer gefegt. Wie im Radio zu hören war, bleiben aus diesem Grund viele der öffentlichen Einrichtungen geschlossen.

Die Windböen sind stellenweise so kräftig, daß man von überall her zuschlagende Fensterflügel und das Klirren und dumpfe Aufschlagen von herabfallenden Ziegelsteinen hört und durch den Wind lose fliegende Gegenstände sieht. Am späten Nachmittag läßt der Sturm endlich nach, und das lebendige Treiben kehrt wieder die Straßen zurück

Miércoles, el 04. de Mayo 1994
Rafael im abgebrannten Restaurant Moscu.

Nachdem ich mich vormittags zweimal auf den Weg machte, um die erforderlichen Genehmigungen zum Fotografieren in verschiedenen Schulen einzuholen, und der zuständige compañero von der Presseabteilung nicht anwesend war, fand ich den Mut, in eine abgebrannte und zusammengefallene Ruine in der Nachbarschaft hineinzugehen. Früher war es wohl ein prächtiges Gebäude im Kolonialstil gewesen, welches zu seinen Glanzzeiten das Restaurant „Moscu“ (Moskau) beherbergte.

Wegen der Einsturzgefahr zögerte ich. Drinnen waren zwei ältere Männer zu Gange, jeder für sich. Mit einem kam ich ins Gespräch. Rafael kratzte gerade am Boden herum. Er würde ein wenig seine Küche aufräumen, denn er wolle sich gleich sein Mittagessen warm machen. Ob ich etwas mitessen wolle?

Martes, el 03. de Mayo
In Centro Habana. Wohnsituation.

Ein Junge spricht mich auf dem Weg nach Centro Habana an, und führte mich nach einer kurzen Unterhaltung in eine nahegelegene Wohnsiedlung.
Er ging mit mir durch einen völlig heruntergekommenen dreistöckigen grauen Wohnblock. Obwohl nur einige wenige Strassen von meiner Wohnung entfernt, war ich plötzlich von Armut und Tristesse umgeben, die ich mit eigenen Augen bisher so noch nicht gesehen habe.

Es gab kein Licht, die Zwischenwände waren einfache Bretterverschläge, hinter denen die Bewohner mit ihren Nutztieren auf engsten Raum zusammen wohnten. Ich fühlte mich wie von tausend Augen beobachtet und konnte kein einziges Foto machen.

Lunes, el 02. de Mayo.
Einschränkung der Transport + Verkehrsmöglichkeiten
.

Die fehlenden Transportmöglichkeiten im ganzen Land stellten sich als ein großes Hindernis für die Planung meiner Fotoprojekte mich heraus. Im ganzen Land fehlt es überall an Treibstoff, Fahrzeugen oder Ersatzteilen. Das öffentliche Verkehrssystem ist stark eingeschränkt. Ich muss improvisieren und aus dem Moment heraus nach weiteren Möglichkeiten für meine Fotoreportage finden. Einige private Taxistas bieten ihre Dienste gegen harte Dollar an.

Domingo, el. 1. de Mayo 1994
Land und Natur

Heute ist „Tag der Arbeit“. In der Stadt herrscht Sonntagsruhe.
Ich nutze die Gelegenheit für einen Ausflug ins Umland, und bin ganz fasziniert von der Landschaft und der subtropischen Vegetation.

Leichte Hügel, dazwischen landwirtschaftliche Flächen, die auch für den Tabakanbau der berühmten kubanischen Zigarren genutzt werden.
Schlanke Palmen strecken ihre Stämme in den Himmel. Alles wirkt sehr transparent.

Sabado, el 30. de Abril 1994
1. Mai Manifestation in Artemisa.

Der Umzug der Menschen in der engen Straße fühlte sich viel intensiver als am Vortag auf der 23sten in der Hauptstadt an.
Die Arbeiter und Bauern, welche die lokal ansässigen volkseigenen Betriebe repräsentierten, führten stolz das Erreichte der Planwirtschaft vor.

Jede Brigade wurde von der Tribüne aus einzeln vorgestellt und stürmisch begrüßt.
Die 1. Mai Manifestation erreichte ihren Höhepunkt durch das ekstatische und laute Trommeln und Musizieren der vielen angereisten Plantagearbeiter.

Viernes, el 29. de Abril 1994:
1. Mai Manifestation auf der 23sten in La Habana.

Die offiziellen Festivitäten zum Tag der Arbeit, die traditionel am 1. Mai stattfinden, sind dieses Jahr vorverlegt worden. Als Begründung wird die „périod especial“ genannt, und die damit verbundene angespannte wirtschaftliche Lage Kubas. Anstatt einer zentralen Veranstaltung auf der Plaza de la Revolución, werden dieses Jahr kleinere Aufmärsche und Solidaritätsbekundungen in den einzelnen Municipios veranstaltet.

Nachdem die Menschen an der Tribüne vorbeimarschiert sind, versammelten sich eine Gruppe davor und tanzte im Rhythmus der anheizenden Musik unter einem Plakat von Fidel. Ein kräftiger Mann, ich denke im Nachhinein wohl ein offizieller Ordner, schrie mich mit rotem Kopf grollend an, ich, der von der internationalen Presse solle diesen Begeisterungssturm gefälligst fotografieren.

Jueves, el 28. de Abril.
Schulbesuch in Vedado.

Die Kinder drängelten sich um mich und meine Kamera herum. Ihre Finger hinterließen Abdrücke auf meinem Weitwinkel-Objektiv. Erst auf den Zuruf ihrer Lehrerin stellten sie sich zu einer Gruppe rund um eine Büste des Nationalhelden José Marti zusammen. Darüber wehte die kubanische Nationalfahne.

Miércoles, el 27. de Abril 1994:
Unterricht und Strandleben der ukrainischen Kinder. Zweiter Tag mit Tatjana.

Nach einer Reifenpanne an Feliberto’s Schiguli kamen wir gerade noch rechtzeitig im Lager an, und wurden sehr freundlich wie alte Bekannte begrüßt. Ich durfte erneut Tatjana und weitere Kinder während der therapeutischen Behandlung, des Schulunterrichts und in der Mensa fotografieren.
Am Nachmittag begleitete ich sie und ihre Freunde zum Meer direkt vor der Tür, wo sie scheinbar unbeschwert am wunderschönen Sandstrand spielen konnten. 

Vom Director erfuhr ich, dass man hier direkt am Meer mehr Tourismus ansiedeln möchte. Direkt gegenüber seien gerade zwei Häuschen an Familien aus Mexico und Kanada vermietet. So seien die Pläne für die allmähliche Verwandlung eines ehemaligen Jugend- und Pionierlager in ein karibisches Urlaubsparadies.

Martes, el 26. de Abril 1994:
Ukrainische Kindern aus der Gegend des Atomreaktorunglücks von Tschernobyl in Tarará, Ciudad de los Pioneros, Jose Marti. Erster Tag mit Tatjana.

Einer meiner Anträge beim C.P.I. hat geklappt. Ich darf ukrainische Kinder und Jugendliche treffen und fotografieren, die nach der Nuklearkatastrophe im Jahr 1986 in Tschernobyl als Strahlenopfer im Rahmen eines Kinderhilfsprojektes medizinisch in Kuba therapiert werden.

Fahrt ins etwa 30 km entfernte Tarará, östlich von La Habana direkt am Strand gelegen. Die übliche Bürokratie verzögert den Eintritt in die Ciudad de los Pioneros. Obwohl wir offiziell über das kubanische Pressebüro angemeldet sind, läßt sich der Direktor mißtrauisch erst umfangreich zuerst von Feliberto, und dann erneut von mir auf englisch, erklären, was ich denn machen wolle.

Ich eilte zu einem Treffen in die UPEC , um Felix zu treffen. Auf dem Weg dorthin, hörte ich in einem kleinem Park rhythmisch . . . duo, trés, cuatro,… uno, duo,… und entdeckte eine Frühsportgruppe in Aktion. Ein sportlicher und grauhaariger Mann mit offenen leichten Turnschuhen animierte die anwesende Damen mit seinem Charme. Und es gelang ihm auch richtig prächtig die Damen trotz schwüler Witterung in Schwung zu bringen. 

Nach dem Treffen im C.P.I. bekam ich anschließend einen Einblick in eine Devisen-Tienda für die Nomenklatura. Meine Kamera mußte ich am Eingang leider abgeben. Für Dollars kann man in diesem abgeschotteten Supermarkt fast alles kaufen. Wie an einem langen Samstag in einem westlichen Einkaufszentrum, drängelten sich die Menschen mit überladenen Einkaufswägen durch die Schluchten der warengefüllten Regale. Was für ein Kontrast zu dem mageren Angebot in normalen Geschäften, in denen die gewöhnliche Bevölkerung für Pesos oder rationierte Ware auf Libreta einkaufen darf. 
(C.P.I. = Centro de Prensa Internacional, UPEC = Unión de Periodistas de Cuba)


Domingo. el 24. de Abril 1994:
Auf der Rampa

Er fragte, ob ich Sternzeichen Fisch sei. Non. Leo? Si … Löwe sei ein starker Typ. Und stolz außerdem. Er wurde mir zu aufdringlich. Was wollte er mir anbieten? Um die Situation für mich zu entspannen, machte ich ein weiteres Bild von der Mädchengruppe.

Er ließ nicht nach und fragte mich beleidigt, warum ich mir denn keine Zeit für ihn nehme. Dies aber nicht hier auf der Rampa, sondern irgendwo, wo wir uns bequemer hinsetzen könnten, damit er mir ungestört seine Geschichte erzählen könne. Ich drehte mich um, winkte kurz, und ging auf Umwegen zurück zu meiner Wohnung.

Sabado, el 23. de Abril 1994:
Spaziergang in Habana Vieja, Kubanischer Abend in einer Discobar.

Herausgeputzte junge Frauen und Männer genehemigten sich für US-Dollars einen schönen Abend bei Bier, Rum, Musik und Tanz in der Bar des Touristenhotels. Dass dieser Club bereits von der Seguridad de Estado argwöhnisch beobachtet wurde und zwei Wochen später geschlossen wird, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.
(C.P.I. = Centro de Prensa Internacional)


Viernes, el 22. Abril 1994:
Spaziergang und erste Orientierung in meinem Wohnquartier in Vedado.

Der lange Betonblock des ex-Hilton Hotels, nach der Revolution zu „Habana Libre“ umbenannt, erhebt sich mit seinen 25 Stockwerken majästetisch vor meinen Fenster im dritte Stock eines grauen und ruhigen Wohnhauses, in dem ich für die nächsten 6 Wochen privat ein kleines 2 Zimmer Appartment mit Kochnische angemietet habe.

Heute gibt es Strom und Wasser. Im leeren Kühlschrank verstaue ich meinen gesamten Filmvorrat für meine Fotoreportage. Ca 150 Ektachromes und 40 Patronen Tri-X warten darauf meine Bilder aufzuzeichnen. Diese stattliche Anzahl soll voraussichtlich rein rechnerisch meinen durchschnittlichen Bedarf von ca 4 Farbfilmen und 1 Schwarzweiss-Film pro Tag decken. Nachmittags kommt Feliberto vorbei, um mit mir meine Pläne zu besprechen und die Vorgehensweise abzustimmen.

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