GÜNTHER WAGNER / FOTOGALERIE LICHTBILD
Laudatio - René Spalek „personal projects“, am 25. 01. 2002

. . . Im Augenblick liegt die Philosophie des fotografischen Bildes begründet. Im Augenblick der Aufnahme fließt Wirklichkeit als Gegenwart, Erinnerung und Zukunftsprojektion zusammen und verdichtet sich zu einem visuellen Dokument. So ist das einzig Wirkliche in einer Fotografie der Zeitpunkt der Aufnahme.
Wenn René Spalek zurückgekehrt von einer Reise, seine Fotografien betrachtet, taucht er nochmals duldsam in sie ein, lässt sich nochmals faszinieren, erkennt ihre Einmaligkeit, lässt sich erneut verführen um zurückzukehren, in die Welt seiner gesehenen Geschichten, und lässt sich erneut in ihnen treiben. Ist berührt, und würde am liebsten gleich wieder losziehen um zu Finden . . .

. . . Seit Beginn seiner fotografischen Arbeiten, sind freie künstlerische und berufliche Auftragsarbeit unbedingt miteinander verbunden. Es käme vor, daß er Eine - Seine Geschichte, erst später entdecken würde. Es ergibt sich durch Betrachtung seiner Fotos das Moment, innerer und äußerer Berührung, deren Intensität näher bestimmt wird durch das Motiv selbst jenes Moment einer sogartigen Verführung gleich der Gestus interessierter, ungebändigter Neugierde, gleichwohl zwingend, bilden Spannung und Voraussetzung, den eigenen, den fotografischen Blick ständig zu schulen. Dies sei der Ansatz, so ist René Spalek überzeugt, um vielfältigste und tieferliegende Geschichten - wie erdgeschichtliches aus Sedimentformationen - herauslesen zu können.

Durch sein Projekt "personal projects" will er fotogratisch davon erzählen und überzeugen. Wenn er sich Menschen zum (be-) greifen, ganz nah fühlt, spätestens dann, dann sind sie es wieder, die sein zentrales Arbeitsfeld, bestimmen. Dabei gilt seine Aufmerksamkeit, den zahlreichen sozialen und kulturellen Milieus der Menschen in ihren Ländern, in ihren Städten. Wie sie leben, arbeiten und spielen.

Es sind Formen der Alltagskultur, auch Äußerungen der Kreativität und Kompetenz der Menschen, die interessant genug, von René Spalek gesehen, abgebildet und in einer anderen Umgebung von ihm zusammengeführt, durch wiederum konzeptionell eigenständige Form, mit ihm, präsentiert zu werden. Hierbei entfaltet sich die Evidenz seiner Fotografie, gleichgültig ob fiktiv oder dokumentarisch, ganz von selbst. René Spalek erreicht sein Publikum durch fotografisch ansprechende und zeitgemäße Darstellungsformen. Sie bilden sein, nicht nur gestalterisches Tabeleau, sie ermöglichen ihm, sich frei und offen zu fühlen. Manchmal, und nur für den Bruchteil einer Sekunde.

Für ihn sei die Stadt eine Bühne. Er säße nicht still vor dieser Bühne und würde irgendwann auf den Auslöser seiner Kamera drücken, sondern er würde sich Menschen und Motiven aktiv annähern. Er würde Öffentlichkeit suchen, sich treiben und überraschen lassen. Und plötzlich - in Minisekunden - seien die Bilder da . . . Es interessieren ihn die Bilder von universellen Orten, gleichwohl interessiere ihn das Ursprüngliche. Es sei sie Erfahrung des (Be) - greifens in den Städten, was ihn faszinieren würde. Dabei gäbe er den Menschen noch genügend Raum, sich selbst in ihrem urbanen Umfeld zu zeigen . . . Ich fotografiere selten aus der Entfernung. Ich zeige mich, dass ich da bin. Dabei entstehen auch Bilder die ich inszeniere, in denen ich mit den Menschen interagiere . . . Eine Art der Optimierung in meinem Sinne. Ich versuche mich nicht zu verstecken . . . So streift er durch Städte und findet, scheinbar geologisch, bricht er Bilder aus ihren Sedimenten der Realität, heraus, erneut entschlossen Anstrengung jeder Art - auf sich nehmend sich um noch so kleinste Spuren kümmernd - ahnt er, dass er seine Bilder sehen wird, dass es - seine Bilder sein werden.

Es sind Bilder, von denen er bereits im Augenblick ihrer Entstehung wusste, dass sie möglicher Weise auf ihn zu gekommen sind oder es sind Bilder die er ausgelöst hatte. Zitat: „Ich gehe hin um mein Bild zu bekommen".
Die Bilder zeigen und erzählen von urbanem Leben, in Prag, Lissabon, London, New York oder in anderen europäischen und amerikanischen Metropolenstädten.
So wie er die Bilder zeigen würde so seien sie auch tatsächlich aufgenommen. Zitat: „Wie ich die Bilder zeige, sind sie so, wie ich sie erlebe."

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