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HANS-MICHAEL KOETZLE, PHOTOTECHNIK INTERNATIONAL 02/96
"KINDERALLTAG ZWISCHEN PROPAGANDA UND STRASSE"
. . . In einer Welt, die erforscht und durchfotogratiert ist, scheint Fidel Castros Kuba noch einmal Augenblicke des Staunens und der Überraschung zu versprechen.
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa bleibt der Inselstaat neben China und Nordvietnam - das letzte kommunistisch regierte Land. Über Jahrzehnte nach außen hermetisch abgeschottet und für Individualtouristen praktisch unzugänglich, beginnt sich Kuba zu öffnen. Ein Mythos darf besichtigt werden.
René Spalek zählt zu jenen Fotografen der jüngeren Generation, die diese Entwicklung als Chance und fotokünstlerische Herausforderung begreifen . . . Er realisiert binnen weniger Wochen eine umfangreiche Reportage über das karibische Land ,"abseits der stereotypen Karibik-Visuals", wie er sagt.
Er suche keine Sensationen, beschreibt Spalek selbst seinen Ansatz, sondern wolle dem potentiellen Betrachter eine Situation so nah wie möglich bringen. Sich darauf einzulassen erfordere Konzentration, Prazision, Neugierde und sehr viel Respekt. Manchmal bin ich greifbar nahe und habe einen offensichtlich direkten Kontakt mit meinem Gegenüber."
Dabei bedient sich Spalek der klassischen Instrumente der traditionellen Reportagefotografie: Kleinbildkamera und Weitwinkeloptik. Er kombiniert, nicht immer, aber oft genug, natürliches Licht und Blitz, fotografiert in Farbe und Schwarzweiß - je nach Bildgegegenstand und Darstellungsabsicht".
Nichts spürt man von den organisatorischen und logistischen Schwierigkeiten, die seine Arbeit behindert haben. Spalek berichtet von umständlichen Genehmigungsverfahren, Transportproblemen, Mißtrauen.
Sein Zyklus überzeugt durch präzise Beobachtung, eine moderne Bildsprache und eine Haltung, die Kargheit beschreibt, ohne den Menschen ihre Würde zu nehmen. Das Leben karibischer Kinder in Havanna habe er schildern wollen, erklärt René Spalek, Kinder, die in einem von politischer und wirtschaftlicher Krise geschüttelten Land aufwachsen und sich notgedrungen mit den Widersprüchen und Zwängen arrangieren müssen."
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